Port Said: Schnittstelle von Geschichte, Meer und Kultur


Am nördlichen Ausgang des Suezkanals zum Mittelmeer gelegen, ist Port Said eine Stadt, die Geschichte, Handel und Kultur miteinander verbindet.

Ihre strategische Lage machte sie über mehr als ein Jahrhundert hinweg zu einem entscheidenden Punkt für den internationalen Handel und die Seewege, die das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbinden. Sie ist zudem ein wichtiger maritimer, kommerzieller und logistischer Knotenpunkt und markiert den Eingang des Kanals.

Der Hafen von Port Said, der 1869 zusammen mit dem Suezkanal eröffnet wurde, wurde konzipiert, um den stetig wachsenden Handelsverkehr zwischen Europa und Asien zu bewältigen. Seit seiner Gründung spielt der Hafen eine zentrale Rolle in der ägyptischen Wirtschaft, indem er sowohl Handels- als auch Kriegsschiffe bedient. Heute ist er nach wie vor einer der verkehrsreichsten Häfen im Mittelmeer, mit Terminals für Container, Fähren und Kreuzfahrtschiffe. Die Hafenarchitektur spiegelt den französischen Kolonialstil wider, mit Kais und historischen Lagerhäusern, die ein Jahrhundert internationalen Handels erzählen.

Port Said wurde 1859 während des Baus des Suezkanals als Hafen– und Handelsstadt gegründet. Die Stadt erlebte eine Blüte verschiedener Kulturen: Franzosen, Italiener, Griechen und Juden trugen zur Entstehung einer kosmopolitischen Gemeinschaft bei, die noch heute in den historischen Gebäuden und den Cafés an der Uferpromenade sichtbar ist. Während des Sueskriegs von 1956 war Port Said Schauplatz entscheidender Ereignisse, die die moderne Geschichte Ägyptens prägten.

Port Said ist jedoch nicht nur ein Handelshafen: Die Stadt bietet auch zahlreiche interessante touristische Attraktionen. Das Ballungsgebiet umfasst Port Said (Afrika) und Port Fuad (Asien), die oft als eine einzige städtische Einheit betrachtet werden, mit der Hauptstadt am westlichen Ufer (Afrika) und ihrer Partnerstadt Port Fuad am östlichen Ufer (Asien). Dies schafft eine seltene Metropolregion, die sich über zwei Kontinente erstreckt.

Eine der empfohlenen Stationen für Kreuzfahrtbesucher ist die Corniche, die lange und panoramareiche Uferpromenade von Port Said. Beim Spaziergang entlang der Corniche kann man die im Hafen liegenden Schiffe und das lebhafte Treiben der Hafenstadt bewundern, zwischen historischen Cafés, Eisdielen und Restaurants, die frische Fischgerichte anbieten. Entlang des Weges fallen auch elegante Gebäude im französischen und italienischen Kolonialstil auf, Zeugnisse der kosmopolitischen Vergangenheit der Stadt. Die Corniche eignet sich hervorragend für Fotos, entspannte Spaziergänge und dafür, die authentische Atmosphäre von Port Said zu erleben, ohne sich weit vom Hafen entfernen zu müssen. Vom Kreuzfahrtterminal aus ist die Corniche leicht und schnell zu erreichen: Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen nur wenige Gehminuten oder eine kurze Taxifahrt vom Hafen entfernt. Für alle, die eine bequemere Erfahrung bevorzugen, bieten viele organisierte Touren Führungen an, die den Spaziergang entlang der Promenade, Stopps in historischen Cafés und die Erkundung der kleinen angrenzenden Souks einschließen. So kann man in wenigen Stunden einen umfassenden Eindruck der Stadt gewinnen, Geschichte, Architektur und Alltag kombinieren, ohne die Abfahrt des Schiffes zu verpassen.

Weiter entlang der Corniche erreicht man den Leuchtturm von Port Said, das Wahrzeichen der Stadt. Der Leuchtturm, am Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, ist das unbestrittene Symbol der Stadt und einer der ältesten Leuchttürme Ägyptens. Am Hafeneingang gelegen, vereint der Turm architektonische Elemente des Orients und des Westens, mit einem eleganten Turm, der von einer Laterne gekrönt wird, die noch heute die Schiffe auf dem Weg zum Suezkanal leitet. Seine panoramische Lage ermöglicht spektakuläre Ausblicke auf das Mittelmeer, vorbeifahrende Schiffe und die Uferpromenade. Neben seiner praktischen Funktion repräsentiert der Leuchtturm ein Stück Geschichte von Port Said, Zeuge der Zeit, als sich die Stadt als internationaler Handelsknotenpunkt etablierte.

Nicht weit entfernt befindet sich das Nationalmuseum von Suez, das errichtet wurde, um das alte Museum zu ersetzen, das während des Krieges 1967 einstürzte. Die Sammlung wurde vorübergehend in die Depots des Ägyptischen Museums am Tahrir-Platz überführt. Das Ziel des neuen Museums ist es, ein kulturelles Leuchtfeuer und ein touristisches Ziel zu sein, das die Geschichte des Suezkanals, der das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet, und der Stadt Suez von der prähistorischen Zeit bis zur Moderne erzählt. Die im September 2014 offiziell eröffnete Anlage erstreckt sich über zwei Etagen, getrennt durch eine große zentrale Ausstellungshalle, in der archäologische Säulen aus der griechischen, römischen und islamischen Zeit bewundert werden können. Besonders interessante Räume widmen sich dem Bau des Suezkanals und anderer historischer Wasserwege, wie dem „Pharaonenkanal“ von Nekau II, mit Informationen über Schiffbau, Bergbau, Handel und die strategische Rolle von Suez bei der Pilgerreise nach Mekka. Besonders eindrucksvoll ist der Mumifizierungsraum, der das Innere eines antiken Friedhofs nachbildet und Werkzeuge, Opferaltäre, Votivstelen, farbige Sarkophage und die Mumie eines Priesters mit Schutzzauber zeigt. Zu den wichtigsten Exponaten gehören die Statue von König Sesostris III. aus der 12. Dynastie und die Stele von König Darius I., eine von vier entlang des Kanals, der den Nil mit dem Roten Meer verband. Das Museum umfasst zudem eine Bibliothek und ein Aktivitätszentrum für Bildungsprogramme, während der Garten eine moderne Nachbildung eines Schiffes aus der Zeit Hatschepsuts zeigt, das für Handelsreisen in ferne Länder genutzt wurde.

Beim Spaziergang durch die Straßen des Zentrums von Port Said hat man den Eindruck, in die Vergangenheit zurückzutreten. Die Straßen sind belebt von Geschäften, Cafés und kleinen Werkstätten, doch sofort ins Auge fallen die historischen Gebäude im französischen und italienischen Stil entlang der Hauptstraßen. Diese zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erbauten Gebäude zeigen dekorierte Fassaden, schmiedeeiserne Balkone und architektonische Details, die den europäischen Einfluss auf die Hafenstadt widerspiegeln. Ein Spaziergang durch diese Straßen erlaubt es, die einzigartige Verschmelzung von ägyptischer Tradition und kolonialer Eleganz zu erleben – ein greifbares Zeugnis der kosmopolitischen Geschichte von Port Said.

Die Balkone, oft geschmückt mit kunstvoll gestalteten Eisenbrüstungen und filigranen Säulen, bieten perfekte Fotomotive. Die Fassaden der Gebäude, bunt und reich verziert, erzählen Geschichten von Familien, die einst den lokalen Handel dominierten und europäische Gemeinschaften beherbergten, die während der Kolonialzeit in der Stadt lebten. Dieser Kontrast zwischen historischer Architektur und modernem Alltag macht Spaziergänge besonders reizvoll, insbesondere für diejenigen, die die authentische und weniger touristische Seite der Stadt beobachten möchten.

Eine weitere bedeutende Attraktion für Geschichtsinteressierte ist das Militärmuseum von Port Said, gelegen in der July‑23‑Straße im Herzen der Stadt. Es wurde 1964 eröffnet, um den heroischen Widerstand der Bevölkerung von Port Said während der Suezkrise von 1956 zu würdigen und gleichzeitig die späteren Konflikte, darunter die Kriege von 1967 und 1973, zu dokumentieren. Der Museumsbesuch bietet einen tiefen Einblick in das militärische und zivile Engagement der Stadt: Die Ausstellung ist in verschiedene Themenräume unterteilt, darunter Räume zur Kriegsgeschichte von 1956, zum Suezkanal und zum Jom-Kippur-Krieg. Im Außenbereich sind Waffen, Militärfahrzeuge und weitere historische Exponate zu sehen, die die Entwicklung der Kriegstechnik und die Rolle von Port Said in den kritischsten Momenten der modernen ägyptischen Geschichte verdeutlichen. Obwohl das Museum einige Minuten vom Ufer entfernt liegt, ist es leicht mit dem Taxi oder zu Fuß vom Stadtzentrum aus zu erreichen und kann in etwa einer Stunde oder etwas mehr besichtigt werden – eine ideale Station auch während eines Kreuzfahrtausflugs.

Zu den eindrucksvollsten historischen Gebäuden der Stadt zählt auch die Al‑Abbasy‑Moschee, eines der ältesten und bedeutendsten religiösen Monumente von Port Said. Errichtet 1904 auf Geheiß des Khediven Abbas Helmi II., befindet sie sich im „Arabischen“ Viertel der Stadt und ist ein bedeutendes Beispiel islamischer Architektur mit kunstvoll erhaltenen dekorativen Details. Die Moschee ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein Symbol für die soziale Geschichte von Port Said: Im Laufe der Jahre spielte sie eine zentrale Rolle nicht nur bei religiösen Zeremonien wie der Feier von Isra und Miʿraj oder dem Eid, sondern auch in Zeiten des Widerstands, etwa während der tripartiten Aggression von 1956. Nach einer sorgfältigen Restaurierung, die die originalen architektonischen Elemente bewahrte, zieht die Al‑Abbasy‑Moschee weiterhin Besucher an, beeindruckt mit kunstvollen Verzierungen, ornamentalem Schriftwerk und einem Stil, der die klassische islamische Tradition widerspiegelt.

Eine weitere Station, die auf keiner Besichtigungsliste fehlen sollte, ist der historische Komplex der französischen Piloten in Port Fuad, ein einzigartiges Beispiel europäischer Wohnarchitektur auf ägyptischem Boden. Es handelt sich um ein Viertel mit Villen aus den 1920er Jahren, errichtet für die Unterbringung von französischen Piloten und Beamten sowie ausländischen Angestellten des Suezkanals. Die Gegend zeichnet sich durch ihr ruhiges, charakteristisches Design aus, stark vom europäischen Stil geprägt, und bildet eine Art „Gartenstadt“, die ausschließlich aus Villen besteht. Die Häuser sind im Colonial‑Revival‑ oder Craftsman‑Stil gestaltet, oft mit kleinen kirchenähnlichen Bauwerken und pyramidenförmigen Dächern versehen, umgeben von Privatgärten und weißen Holzzäunen, die Eleganz und Exklusivität unterstreichen.

Ein ebenso unvergessliches Erlebnis in Port Said ist der Besuch der lokalen Märkte, nur wenige Blocks von den Hauptstraßen entfernt. Hier kann man in Farben und Düfte von Gewürzen, Stoffen und traditionellem Kunsthandwerk eintauchen, zwischen lebhaften Marktständen der Verkäufer. Ein Spaziergang durch die Gänge des Souks erlaubt es, kleine Schätze zu entdecken – von handbestickten Textilien über geschnitzte Holzobjekte bis zu traditionellem Schmuck und lokalen Lebensmitteln. Die Märkte bieten auch direkten Kontakt zu den Einheimischen und machen das Erlebnis authentischer und lebendiger als die touristischen Zonen.

Neben dem Einkaufserlebnis sind die Märkte eine wahre kulturelle Eintauchung: Man kann lokale Bräuche beobachten, traditionelle Handelspraktiken erleben und den Alltag der Bewohner kennenlernen, der Port Said so einzigartig macht. Auch Besucher mit wenig Zeit während eines Kreuzfahrthafens können von einem kurzen Besuch große Eindrücke gewinnen, indem sie sich durch die Farben, Geräusche und Düfte der Stadt bewegen. Diese Kombination aus historischer Architektur und lebhaften Märkten macht Spaziergänge im Zentrum von Port Said zu einem umfassenden Erlebnis, das Besuchern Geschichte, Kultur und den kosmopolitischen Charakter der Stadt vermittelt.

Wer während eines Kreuzfahrtausflugs eine Meerespause einlegen möchte, kann die Strände von Port Said und Umgebung besuchen. Der Port Said Beach, leicht mit dem Taxi vom Hafen erreichbar, bietet eine lange Sandfläche am Mittelmeer, ideal für entspannte Spaziergänge oder um vorbeifahrende Schiffe zu beobachten. Wer eine ruhigere und panoramische Umgebung sucht, findet am nahegelegenen Port Fouad Beach feinen Sand und klares Wasser – perfekt für ein kurzes Bad oder einfach, um die Sonne zu genießen. Eine ausgezeichnete Gelegenheit, den historischen Charme der Stadt mit etwas Küstenentspannung zu verbinden.

Port Said bleibt somit eine Stadt, die durch ihre Mischung aus Geschichte, Handel und mediterraner Kultur fasziniert und ihren Besuchern einen einzigartigen Einblick in das maritime Ägypten bietet. Einen Tag in Port Said zu verbringen bedeutet, in ein Mosaik aus Kulturen, Architektur und Geschichten einzutauchen, die sich über die Jahrhunderte miteinander verflochten haben.

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Giorgia Lombardo

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