Carnival Venezia: von Manhattan in die südliche Karibik
New York riecht im Oktober nach kühler Flussluft, würzigem Streetfood und einer Prise Großstadt-Eile. Richtung Kreuzfahrtterminal klacken Rollkoffer über Asphalt, Taxihupen schneiden durch das Stimmengewirr an der Vorfahrt – und über allem steht diese Erwartung, die nur ein Einschiffungstag in Manhattan erzeugt: nicht einfach „Abfahrt“, sondern Aufbruch.
Als die Carnival Venezia am späten Nachmittag von ihrem Heimathafen ablegt, glüht Manhattans Skyline im warmen Herbstlicht. Die Freiheitsstatue wird zur Silhouette, dann folgt der Moment, der Schifffahrtsfans zuverlässig den Puls erhöht: die Passage unter der Verrazzano-Narrows-Bridge. In der „blauen Stunde“ wirkt es optisch fast zu eng – und doch gleitet der gelbe Funnel gerade so hindurch. Ein akustischer Mix aus Wind, Möwenschreien und dem tiefen, beruhigenden Bass der Maschinen. Genau hier beginnt die Kreuzfahrt in die südliche Karibik. Zwölf Nächte, fünf Inseln, dazwischen jeweils drei volle Seetage auf dem Hin- und Rückweg. Das ist keine Route für Menschen, die Häfen „abhaken“ wollen. Das ist eine Route für alle, die Seetage als die eigentliche Bühne begreifen.
Manhattan Skyline
Sailaway Manhatten
La nave: da Costa a Carnival Das Schiff: Von Costa zu Carnival
Die Carnival Venezia ist kein typisches Carnival-Neubaukonzept. Sie wurde ursprünglich als Costa Venezia konzipiert und Mitte 2023 innerhalb des Konzerns zu Carnival Cruise Line transferiert – inklusive Refit, Anpassungen und Neupositionierung als Trägerin des Konzepts „Carnival Fun. Italian Style“. Italienisch geprägte Hauptrestaurants, ein italienisches Spezialitäten-Restaurant (Il Viaggio) und neue Konzepte wie La Strada Grill (Streetfood) und Tomodoro (Mexican-Italian Fusion) setzen den Ton. Der Schiffsname ist Programm: Der FUN-Squad empfängt die Gäste in venezianischem Gondoliere-Outfit, während in der Kabine Venedig-Motive als Wandtapete grüßen.
Innen wirkt das Schiff auf den ersten Blick fast kompakt – die Kennzahlen erzählen die andere Seite: 323 m Länge, 135.225 BRZ, 4.090 Gäste (Doppelbelegung) bei 1.424 Crew. Ausgebucht, heißt es am Guest Relation Counter, doch während der Reise wird sich herausstellen, dass dies überhaupt nicht so scheint. Meine auffälligste Beobachtung: Selbst bei voller Belegung fanden wir an Deck immer wieder freie Sonnenliegen – auch mit Schatten. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis vieler Außenflächen und eines Publikums, das sich tagsüber gut verteilt – zwischen Pool, Sport, Bars, Shows, Ruhebereichen und (bei US-Gästen auffällig) den Casinos. Der Gästemix aus vorwiegend Nordamerikanern mit deren Vorliebe für klimatisierte Räume, bietet somit aus europäischer Perspektive überraschende Vorteile.
Cabin bathroom
Cabin with Venetian Decors
Lido market place buffet restaurant
Design-Highlights der Carnival Venezia
Moderne Kreuzfahrtschiffe werden zunehmend kantiger, effizienter, „architektonischer“. Die Carnival Venezia setzt dagegen auf weichere Linien – und gewinnt damit Atmosphäre. Das runde, elegant auslaufende Heck wirkt nicht nur fotogen: Wer oben an der Reling steht, blickt über die terrassierten Balkonkabinen bis auf Deck 5 zur Terrazza Carnevale mit ebenfalls abgerundeter Achtern-Form. Mindestens so stark ist aber die zweite, fast „versteckte“ Qualität des Schiffsdesigns: die Aussicht nach vorn. Auf mehreren Decks – teils unscheinbar zugänglich – öffnen sich Bereiche auch direkt oberhalb der Brücke, die einen freien Blick über den Bug erlauben. Auf anderen Schiffskonzepten bleibt dieser Blick oft Suitengästen vorbehalten; hier ist es ein demokratisches Vergnügen für alle, die maritimes Kino mögen: Bugblick, Windkante, Horizont. Besonders beliebt bei Fans: ein Platz über der Brückennock.
Die Terrazza Carnevale ebenfalls mit abgerunderter Achtern-Form verdient dabei eine genauere Betrachtung: Sie ist tagsüber überwiegend Gästen der Terrazza-/Cabana-Kategorien vorbehalten und öffnet ab 19 Uhr als stimmungsvolle Abend-Location für alle – ein Konzept, das den Bereich erst privat und später „öffentlich“ macht. Unter dem Zeichen zweier venezianischer Löwen wirkt die Terrasse wie ein kleiner, eigener Stadtplatz am Heck: Bar, loungige Sitzgruppen, Musik am Abend – und dieser Blick, der je nach Moment entweder die Heckwelle einfängt oder den Hafen zeigt, den man gerade hinter sich lässt.
Dazu kommt ein Ausstattungsmerkmal der Venezia, das im Oktober Gold wert ist: das zurückfahrbare Glasdach über dem Lido Pool – ein „Cabrio“-Moment auf See. Ideal für den fast ganzjährigen Heimathafen New York. Wenn Wind auffrischt oder ein Schauer durchzieht, kippt die Stimmung nicht. Das Deck bleibt bestens nutzbar.
Und dann ist da dieses Detail, das Kreuzfahrtnerds lieben: Der Funnel trägt noch das Costa-„C“. Das ist kein Versehen, sondern Teil der „Hybrid“-Optik als bewusster Verweis auf die Wurzeln. Der italienische Kapitän Claudio Cupisti verriet mir allerdings: Beim nächsten Werftaufenthalt soll auf Carnival umbemalt werden. Ein kleiner Satz, der zeigt, dass die Kreuzfahrtbranche in Bewegung ist – konzeptionell wie visuell.
rounded stern design Carnival Venezai – Sailaway Castries
Canal Grande main dining room
Carnival Venezia – Piazza San Marco
Venedig-Atmosphäre im Interieur
Wer auf der Carnival Venezia unterwegs ist, stößt im Interieur-Design fast überall auf Anspielungen an die Lagunenstadt – mal auf den ersten Blick, mal erst in liebevollen Details. In den Treppenhäusern begegnet man wechselnden venezianischen Motiven von Architektur bis Karneval. Selbst im Bad der Kabine zieht sich das Thema fort: ein Waschbereich, der mit seinem hölzernen Waschtisch und marmoriertem Becken eher an Boutique-Hotel als an Standard-Kabine erinnert. Abends wird die Inszenierung größer: Verspielte Leuchter setzen im Casino warme Akzente, im rot-samtigen Teatro Rosso hängen riesige Kristall-Lüster von der Decke und an den Wänden befinden sich Sitznischen, in denen man sich wie in einer kleinen Loge in einem berühmten venezianischen Theatersaal fühlen kann.
Piazza statt Lobby
Das Herz der Carnival Venezia ist die Piazza San Marco, ein Atrium, das bewusst wie ein öffentlicher Platz inszeniert wird: lebendig, zentral, permanent als Treffpunkt nutzbar. Der Blick findet sofort die runde Bar, die Geräuschkulisse ist weich und sozial – Gläserklirren, Live-Musik, Stimmen, die sich mischen. Und als visuelles Zentrum steht in der Piazza San Marco jene hohe Säule mit dem goldenen venezianischen Löwen als klares Markenzeichen der „La Serenissima“. Genau dieser Ort wird zur festen Anlaufstelle auch für abendliche Stimmungsmacher wie Kreuzfahrtdirektor Mike, der gerne auf dem Bartresen balanciert und seine Hüften kreisen lässt, um die Gäste zum Mittanzen zu motivieren.
Abendessen an der Rialto-Brücke
Carnival bietet beim Essenskonzept die Auswahl zwischen zwei festen Sitzungen mit fest zugewiesenen Tischen oder der flexiblen Option „Your time dining“. Bei Letzterem lässt sich die Carnival Hub-App nutzen, um sich in die virtuelle Schlange zu stellen und direkt benachrichtigt zu werden, sobald ein Tisch frei ist. Das lief einwandfrei mit meist nur wenigen Minuten Wartezeit.
Zum Abendessen direkt am Canale Grande sitzen, am netten Zweiertisch direkt an der Rialtobrücke eine italienische Pasta schlemmen, während nebenan eine typische venezianische Gondel wartet und die Servicekräfte zwischendurch mit einer Musikeinlage überraschen. Genauso lassen sich die Inszenierung des Schiffs und meine Wahrnehmung beschreiben. Als Italien-Kenner und -Liebhaber spiele ich das nicht als Kitsch herab, sondern schätze die Bemühungen, um auf dieser Reise den „Italian Style“ stimmig durchzuziehen. Gut, ein paar Abstriche des Originals muss selbst der italienische Küchenchef machen, denn die amerikanischen Gäste lieben ihre Nudeln nicht „al dente“, sondern etwas länger gekocht. Die Speisenauswahl in den Hauptrestaurants ist international geprägt, doch lässt sich täglich wechselnd ein rein italienisch inspiriertes Menü zusammenstellen, von Spaghetti Carbonara über Fisch-Piccata bis Cappuccino Gelato Pie. Dazu sind die Gerichte gesondert gekennzeichnet.
Zum weiteren Essensangebot zählen die inkludierten Carnival Klassiker Guy‘s Burger Joint, Pizzeria del Capitano, Lido Marketplace Buffet sowie die aufpreispflichtigen Spezialitäten-Restaurants Bonsai Teppanyaki & Sushi, Seafood Shack, Fahrenheit 555 Steakhouse, Il Viaggio (italienische Küche) sowie the Chef‘s Table. Es gibt zwei Aspekte, die mein persönliches Italien-Erlebnis an Bord noch besser machen würden: Ein echter Espresso aus der Keramiktasse (anstelle to-go-Becher). Und ich vermisse das frühere Eiscafé Gelateria Amarillo, das zum Carnival typischen Java Blue Café umgestaltet wurde. Doch braucht die europäische Perspektive vielleicht nur mehr Mut, um auch Karamell-Donuts mit Bacon auszuprobieren.
Surf and Turf Fahrenheit 555 Steakhouse
Guys Burger Joint Italian version
Lido market place buffet restaurant
Choose Fun: US-Vibes an Bord.
Carnival hat „Choose Fun“ als Markenkampagne aufgebaut, um deutlich zu machen: Fun ist kein Einheitsprogramm, sondern Wahlfreiheit – unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Definitionen von Spaß, und das Schiff liefert die passenden Optionen. In der Praxis bedeutet das: Entertainment als Taktgeber, nicht als Lärmkulisse.
Gerade auf unserer 12-Tages-Reise, die bei Carnival als „Journeys Cruise“ beworben wird, finden sich neben der klassischen FUN-DNA bewusst zusätzliche reisespezifische Programmpunkte. Bei sechs Seetagen wird „Choose Fun“ besonders greifbar: als Wahlfreiheit im Minutentakt – getragen vom Fun Squad unter Kreuzfahrtdirektor Mike, der den Tag strukturiert, ohne ihn zu übertönen.
Der Morgen startet mit spürbar amerikanischer Leichtigkeit – etwa in der Waves Morning Show – und geht dann in ein fein getaktetes Netz aus Mitmachformaten über: Trivias, Bingo, Deal or No Deal, Family Feud, Karaoke, Dance Classes. Formate, die niedrigschwellig funktionieren, aber erstaunlich schnell soziale Dynamik erzeugen. Für Familien ist es genau diese Mischung aus Mitmach-Programm und klaren Kids-Angeboten – vom Basteln bis zu Highlights wie dem Build-A-Bear-Workshop. Auf den Außendecks geht das nahtlos in sportliche Wettbewerbe über: Tischtennisturniere, Bean Bag-Challenges und weitere kleine Turnierformate, bei denen es weniger um Leistung als um Teamgefühl geht. Und selbst „Community“-Momente fehlen nicht: Beim Spenden-Walk for St. Jude wird die Fun-Kultur kurz ernsthafter – ohne Pathos, eher als gemeinsamer Schritt, der zeigt, dass Bordleben auch Zusammenhalt für einen guten Zweck sein kann.
Abends wechselt das Schiff den Aggregatzustand. Dann gehört die Bühne meist dem Cast: die Playlist Production Shows (u. a. Vintage Pop, Epic Rock, Broadway Beats, Color My World) setzen auf Tempo, starke Stimmen, Kostümwechsel und klare musikalische Dramaturgie – Entertainment, das bewusst „groß“ denkt und bei einem amerikanischen Publikum besonders gut zündet. Ergänzt wird das auf unserer Reise durch Guest Entertainer wie Michael Wordly sowie Dominque Foster, die uns mit ihrer Tribute-Show zu Donna Summer und Diana Ross zum Mitsingen bringt. Abende, die eher Konzertgefühl als „Schiffsprogramm“ erzeugen. Und wer danach noch Energie hat, findet sie: Der Fun Squad bleibt auch nachts präsent – als Einheizer und Gastgeber der Abendpartys, mitten auf der Tanzfläche, nicht nur am Rand.
80s Rock-N & Glow night Lido deck with open glass roof
Blue hour at Terrazza Carnevale
Amerikas Humor
Der Punchliner Comedy Club in der Limelight Lounge ist bei den US-Gästen heiß begehrt. Für Europäer funktioniert er dann am besten, wenn die Englischkenntnisse wirklich sicher sind – und wenn man Lust hat, zwischen den Zeilen mitzuhören. Viele Gags speisen sich aus US-Alltag, Popkultur und aktuellem Zeitgeist. Wer diese Referenzen kennt, erlebt hier ein sehr treffsicheres Format; wer sie nicht kennt, nimmt immerhin die Dynamik eines Publikums mit, das Comedy an Bord als festen Bestandteil der Reise versteht.
Auffällig – und in der Wirkung positiv – war die im Vergleich zu vielen anderen Kreuzfahrten hohe Präsenz von Security-Kräften . Es gab keinerlei Auffälligkeiten oder unangenehme Situationen – im Gegenteil. Gerade in einem sehr US-geprägten Setting wirkt diese Sichtbarkeit wie ein klares Signal gegen Grenzüberschreitungen, aber auch als psychologischer Komfortfaktor: Man fühlt sich auf großen, lebendigen Abenden schlicht gut „gehalten“. Die Botschaft ist klar: Spaß ja – aber innerhalb eines Rahmens, der für alle funktioniert.
Playlist Production Show
Punchliner Comedy Cluab – late night comedy
Meine italienischen Momente
Zwischen all dem „Fun“ sind es auf der Carnival Venezia auch kleine italienische Mikromomente, die hängen bleiben: eine Runde Boccia, ein Aperitivo vor dem Abendessen – oder ein Aperitivo-Seminar in Bars wie Amari und Frizzante. Für eine Prise Augenzwinkern sorgt die Rococó Bar, die das Rokoko-Thema im Comic-Stil interpretiert – und abends beim Open-Air-Kino Popcorn serviert.
Geheimtipp: der Serenity-Bereich, ein Adults-only-Rückzugsort ganz oben auf Deck 15. Neben den bequemen Liegemuscheln fühlt sich ein Spritz & Co. auf den Stühlen und Schirmen wie in einem italienischen Strandbad an. Und dann gibt es Abende, die dieses Schiff in seiner „Fun Italian Style“-Idee wirklich einzigartig machen: eine venezianische Nacht auf hoher See. Masken gehören dazu – nicht nur bei den Gästen, sondern stilvoll auch bei Offizieren und Crew. Trompeten und Posaunen kündigen den Captain zur Begrüßung auf der Piazza San Marco an, bevor der Show-Cast in glitzernden venezianischen Kostümen, begleitet von Geigen, italienische Klassik à la Andrea Bocelli auf die Bühne bringt. Ein schimmernder Maskenball, weit weg von Venedig und doch erstaunlich glaubwürdig in dieser Kulisse. Mein persönlicher Lerneffekt: Maske einpacken.
Zwar nicht italienisch, doch neu und überraschend gut ist das digitale „Mobile Trivia“, Fragen laufen auf dem großen Screen, Antworten gehen übers Smartphone, Geschwindigkeit zählt. Gerade an Seetagen klappt das hervorragend; die Plätze mit bester Sicht am Lido-Deck sind schnell vergeben. Kleiner Tipp für Europäer: Ein Mini-Crashkurs zur amerikanischen Filmbranche und ihren Promis erhöht die Gewinnchancen – das Quiz läuft (wie der Entertainmentbetrieb insgesamt) konsequent auf Englisch; ergänzende Hinweise punktuell auch auf Spanisch.
Wer dagegen Bewegung sucht, findet sie draußen in einer bemerkenswert kompletten Sport-und-Spaß-Landschaft: Hochseilgarten, mehrere Wasserrutschen, ein Sportplatz (mit Basketball bis Pickleball), Minigolf sowie niederschwellige Open-Air-Fitness-Geräte und natürlich ein Jogging-Pfad rund ums Schiff. Im Inneren ganz vorne oben ein Fitnessstudio, darvor ein für europäische Verhältnisse deutlich unterdimensionierter Wellness-Bereich Cloud 9 Spa. Immerhin mit frei zugänglicher finnischer Sauna. Umso größer ist dagegen das Shopping-Angebot an Bord.
Appetizer
Camp Ocean Kids Club 1
Carnival Venezia Water slides and yellow funnel at blue hour
Officers with Venetian masks
Pre-Halloween an Bord: sehr amerikanisch, sehr lebendig
Halloween selbst fiel nicht in diese Reise – aber der Oktober ist bei Carnival traditionell „Frightfully Fun“: Kostümwettbewerbe, Pumpkin-Carving, Themenparty, Trick-or-Treating und die Figur Patch the Pumpkin Pirate ist nicht nur im Piazza San Marco übergroß präsent. Die amerikanisch geprägten Gäste ziehen mit, viele Kabinentüren waren dekoriert, bei den Partys kamen unzählige Gäste in Kostümen auf die Tanzfläche, und das Bordprogramm spielte sichtbar mit der Saison – ohne dass es den Charakter einer klassischen Karibikreise überdeckt. Und ja, ich habe mich auch bei den leckeren Treats mit einem Bonbon bedient, die eine Familie auf unserem Deck an der Kabinentüre zum Mitnehmen anbot. Ein Gefühl von Zusammenhörigkeit kommt so nicht nur bei den Reisegruppen und Familien auf, die mit extra thematischen T-Shirts auftrumpfen.
Die Route: fünf Inseln, fünf Charaktere
US Virgin Islands – St. Thomas & Honeymoon Beach
Der erste echte Karibik-Moment kommt oft mit einem Geruch: warmes Salz, Sonnencreme, ein Hauch Kokos aus der Strandbar. St. Thomas empfängt uns morgens in Charlotte Amalie allerdings mit einem intensiven Regenschauer voller „liquid sunshine“. Ob der Bootsausflug mit Schnorcheln und Strandaufenthalt überhaupt stattfinden kann? Die Karibik kennt den schnellen Wetterwechsel besser als ich. Kaum 30 Minuten später marschieren wir bei strahlendem Sonnenschein Richtung Speedboot gleich am Pier gegenüber. Die Fahrt zur Buck Island Cove wird zu einem Ritt über die Wellen. Schnorcheln bei Seegang – nicht so mein Fall, umso größer die Vorfreude auf den Honeymoon Beach auf der kleinen Water Island. Weißer Sand, flaches, klares Wasser, Baden, Entschleunigung: genau, was man nach drei Seetagen will. Für mich war es der erste „Jetzt sind wir wirklich da“-Moment dieser Reise. Als Traumstrand-Alternative bietet sich Magens Bay Beach an, gut 20 Taximinuten vom Kreuzfahrtterminal entfernt.
Dominica – Inselrundfahrt, Eco-Rum, Lunch, Wasserfälle
Dominica ist das Gegenstück zur Postkarte: weniger „glatt“, mehr Naturkraft. Regenwaldgrün, feuchte Luft, das konstante Geräusch von Wasser irgendwo im Hintergrund. Die Hauptstadt Roseau empfängt die Kreuzfahrtschiffe auf einem langen Steg mit großem Anleger. Ein klassisches Kreuzfahrtterminal gibt es nicht, dafür bieten lokale Händler an der angrenzenden Hafenstraße allerlei Produkte und Souvenirs an zahlreichen Verkaufsständen.
Unser Programm heute: Inselrundfahrt inklusive Besuch einer neuen Rumdestillerie mit Eco-Anspruch (Tasting inklusive), anschließend Lunch im hochwertigen Bistro Zeb & Zepis mit Fusion-Küche aus lokalen Zutaten mitten im Dschungelgrün. Emerald Pools, Trafalgar Falls oder Spanny Falls: Wer Wasserfälle liebt, wird hier fündig. Badehosen einpacken nicht vergessen, um im bekannten Emerald Pool direkt unter dem mächtigen Wasserfall kurz abzukühlen. Die Spanny Falls sind etwas beschaulicher und gerade deshalb einen Besuch wert. Auf den jeweiligen kurzen Wanderstrecken krabbelten so manche großen Krebse in knalligem Orange über unseren Weg – was für ein Farbkontrast zu den vielen Schattierungen des Dschungelgrüns.
Leider bleibt an diesem Tag keine Zeit, um das kreolische Musikfestival zu besuchen, das zahlreiche Besucher aus nah und fern anlockt. Vom Morne Bruce Aussichtspunkt lässt sich die Größe des Festivals im nahegelegenen Windsor Park erahnen und natürlich einen bezaubernden Panoramablick von Roseau samt Kreuzfahrtschiff ergattern.
St. Thomas – Honeymoon Beach
St. Thomas – Honeymoon Beach
Dominica – Kernean George from Rosalie Bay eco rum distillery
Dominica Spanny Falls
Barbados – ein bewusster Strandtag zum Chillen
Bei der Hafeneinfahrt von Bridgetown begrüßen uns die Celebrity Reflection und die Grand Princess. Dementsprechend quirlig geht es im modernen Kreuzfahrtterminal der Stadt zu. Das Ausflugsangebot ist umfangreich von Rum-Tasting in der Mount Gay Destillerie, der ältesten der Welt, bis Katamaran-Touren zum Schnorcheln – doch wir setzen in Barbados einen entspannten Kontrapunkt. Strandtag ohne Programm-Druck. Bei gut 30 °C geriet Spaziergang zur Carlisle Bay fast zu einem leichten Workout. Die Belohnung: puderfeiner, weißer Sandstrand, Wellen, die gleichmäßig ausrollen. Wir mieten uns Liegen und Sonnenschirm und lassen bei einem kalten, einheimischen „Carib-Bier“ die Seele baumeln. Da stört es auch nicht, dass der Strand sehr belebt ist, Kinder wie Erwachsene im Wasser plantschen – wir lassen das typische Karibik-Sonne-Strand-Gefühl wirken. Wer mag, kann in der angesagten Boatyard Bar einen weiteren Drink nehmen und dabei eine Musikmischung aus Steel-Drum und Pop auf sich wirken lassen. Unser Vorsatz für den nächsten Besuch auf Barbados: es gibt noch weit mehr als Strandvergnügen auf der Insel zu erleben und entdecken. Eintrag auf der Bucketlist.
Saint Lucia – ikonische Pitons und heiße Quellen
Saint Lucia will als Insel inspirieren. Sie liefert die Dramaturgie mit Pitons, üppigen Hängen, Aussichtspunkten, Farben zwischen smaragdgrün und vulkanisch dunkel. Wir laufen die Hauptstadt Castries an und schon die Einfahrt bei Sonnenaufgang verzaubert uns mit goldenem Licht und bunten Kolonialhäusern. Bereits früh morgens starten wir auf eine Tagestour in den Süden, denn unser Schiff liegt leider nur bis 16.00 Uhr am Pointe Seraphine Pier. Mehr zu unserer Inselrundfahrt , die ausführlichen Stopps, Fotospots und Hintergründe finden sie in meinem separaten Saint-Lucia-Artikel in dieser Ausgabe sowie online.
Barbados – Carlisle Beach
Barbados – Cruise port with name sign
Pitons UNESCO World Heritage Site
Saint Lucia – Anse la Raye
St. Maarten – französisch, niederländisch – und Maho Beach als Spektakel
St. Maarten ist ein Insel-Doppel: französisch im Norden, niederländisch im Süden. Die Inselrundfahrt macht den Wechsel greifbar – in Architektur, Stimmung, Tempo. Ein Grenzübergang, eher Fotospot als Passkontrolle. Es fühlt sich etwas wie zu Hause in der EU an. Wir versuchen uns am kleinen kulinarischen Unterschied. Ein Pain au chocolat in Marigot, der Hauptstadt des französischen Teils, und später in Philipsburg passend zum niederländischen Teil Pannekoeken mit Apfelmus. Dazwischen ein Stopp für alle Flugzeugfans am Maho Beach.
Flugzeuge so nah, dass man nicht nur hört, sondern spürt. Erst ein fernes Dröhnen, dann wird es körperlich – und plötzlich schneidet ein Jet tief über den Strand, als hätte jemand die Perspektive falsch kalibriert. Ein Spaziergang durch das beschauliche Städtchen Philipsburg sowie ein Aufenthalt am Stadtstrand sind ebenfalls lohnende Aktivitäten. Per Wassertaxi geht es dann direkt zurück zum Harbour Point Village, der kleinen im alten Philipsburgs Stile errichteten Shopping und Freizeit-Meile direkt an den Kreuzfahrtpiers. Mit uns im Hafen, liegt das Schwesterschiff Carnival Dream, das kurz vor uns ablegt. Entsprechend laut und frenetisch sind die Rufe zwischen den beiden Schiffen, während der rot-blaue Whale Tail-Funnel der Dream langsam an uns vorbezieht und Richtung Horizont dreht.
St Maarten – Maho Beach
St Maarten approaching the pier
Rückfahrt und Fazit:
Auf den verbleibenden drei Seetagen bleibt ausreichend Zeit, die Erlebnisse auf den fünf karibischen Inseln zu verarbeiten und den privaten Balkon der Kabine sowie weitere Aktivitäten des Fun-Programms zu genießen. Wir hatten zudem Glück, dem Hurrikan Melissa zu entgehen, der zu dieser Zeit über Jamaika hinweg zog und unseren Rückweg nach New York nicht kreuzte.
Fazit: Die Kreuzfahrt bot genau die richtige Länge und Mischung aus attraktiven Karibikdestinationen und entspannten Seetagen. Der Carnival Journeys-Ansatz gefällt, da die Wahlfreiheit zur Gestaltung des eigenen Tagesablaufs an Bord immens ist. Die Carnival Venezia selbst sticht aus der Carnival-Flotte heraus. Sie ist ein konsequent kuratiertes Produkt: italienische Kulisse mit Carnival-typischem Choose Fun-Entertainment. Eine Kombination, die man am besten so bewertet wie einen Aperitivo: Probiert es aus!
Verpassen Sie keine Neuigkeiten, Updates und Bewertungen von Carnival Cruise Line auf Cruising Journal – mit Fotos, Videos und attraktiven Kreuzfahrtangeboten.



























