Artania: Phoenix Reisen’s “Grand Lady“


Artania von Phoenix Reisen ist ein Schiff, das eigentlich keiner Vorstellung bedarf. Sie ist nicht nur das größte Schiff in der aktuellen Flotte von Phoenix Reisen und Star der deutschen TV-Doku-Soap „Verrückt nach Meer“, sondern hat es seit ihrer Indienststellung 1984 zu Weltruhm gebracht.

 

Kai Ortels Artania-Rezension

 

In Auftrag gegeben von Princess Cruises als größtes Passagierschiff, das jemals für Kreuzfahrten gebaut wurde, war sie unter ihrem ersten Namen Royal Princess das erste Kreuzfahrtschiff, das nur Außen- und Balkonkabinen besaß. Tatsächlich war sie bei ihrer Indienststellung Mitte der 1980er Jahre ihrer Zeit so weit voraus, dass sie auch 35 Jahre später noch eine treue Anhängerschaft hat, während es anderen Kreuzfahrtschiffen ihrer Generation immer schwerer fällt, konkurrenzfähig zu bleiben.

Dennoch sind 35 Jahre Dienstzeit nicht ohne Veränderungen an der Artania vorüber gegangen. 2005 wurde das Schiff intern innerhalb der P&O-Flotte transferiert und von Princess Cruises an P&O Cruises abgegeben; die amerikanische Royal Princess wurde zur britischen Artemis. Das Bordkasino wurde verkleinert, die Princess Court Piano Lounge wurde zur Bar und die Decks wurden nach alten P&O-Linern benannt. Umfassendere Veränderungen wurden jedoch vorgenommen, als die Artemis 2011 an Phoenix Reisen verkauft und der ehemalige Riviera Club in ein zweites Restaurant, das Artania Restaurant, umgebaut wurde. Trotzdem gibt es aber immer noch unzählige gemütliche Lounges an Bord: die Casablanca Bar zum Beispiel, in der abends familiäre Konzerte stattfinden; den Jamaica Club, der als Spiel- und Kartenraum dient und natürlich die Pazifik Lounge am Fuße des Schornsteins.

Die Artania ist Teil der aus fünf Schiffen bestehenden Flotte des deutschen Veranstalters Phoenix Reisen, der 1988 mit der gecharterten Maxim Gorkiy in das Kreuzfahrtgeschichte einstieg. Tatsächlich wurde die Artania gekauft, um die Maxim Gorkiy zu ersetzen (die Anfang 2009 verschrottet wurde) – eine Rolle, die sie seitdem mehr als zufriedenstellend erfüllt hat. Die weiteren Mitglieder der Flotte von Phoenix Reisen sind die Amera (ex Royal Viking Sun), die Albatros (ex Royal Viking Sea), die Amadea (ex Asuka) und die gecharterte Deutschland. Während die Artania in den Sommermonaten auf kürzeren und auch längeren Routen in Nordeuropa eingesetzt wird, wird sie in der Nebensaison zu einer echten Weltenbummlerin und geht sogar regelmäßig auf Weltreisen. Die an Bord ausgestellte Galerie der Hafenplaketten zeugt eindrucksvoll davon, dass die Artania buchstäblich und nicht nur einmal um die Welt gereist ist.

Mein eigenes Artania-Erlebnis war eine viertägige Nordseekreuzfahrt von Bremerhaven nach Harwich und Amsterdam im Herbst 2019. Mein Zuhause während dieser Kreuzfahrt war Balkonkabine Nr. 6500, ein Zuhause, das keine Wünsche offen ließ. Die Kabine war mit einem Bett, TV, Telefon, Minibar und Safe auf der einen Seite und einem großen Sofa auf der anderen Seite ausgestattet. Zwischen Bett und Sofa befand sich die Tür zum Balkon, der mit zwei Liegestühlen und einem Tisch ausgestattet war. Auch die riesige Dusche war ein Traum – ein Überbleibsel aus der Vergangenheit unter Princess Cruises-Flagge, als alle Kabinen noch mit einer eigenen Badewanne ausgestattet waren.

Die Essenszeiten an Bord der Schiffe von Phoenix Reisen sind wunderbar entspannt. Es gibt keine zwei getrennten Sitzungen mehr, sondern nur noch einen langen Sitzung mit einer freien Auswahl des Restaurants, des Tisches und der Tischzeit. Das Restaurant Artania auf Deck 3 und das Restaurant Vier Jahreszeiten auf Deck 2 verfügen zusammen über 900 Sitzplätze, das Lido Restaurant (Buffet) bietet noch einmal Platz für weitere 280 Plätze. (Die Gesamtkapazität der Artania beträgt 1.260 Passagiere). Wenn Sie einen bestimmten Tisch reservieren möchten, können Sie dies mit dem Oberkellner vereinbaren, ansonsten können Sie kommen und gehen, wann Sie möchten.  Abends ist der Tischwein bereits im Reisepreis inbegriffen, und morgens fand ich das Frühstück im Lido Restaurant fantastisch. Es gab jeden Tag frisch gebackene Brötchen und frisch gebackenes Brot, und neben dem üblichen Tee und Kaffee wurden nicht weniger als vier Sorten Fruchtsäfte angeboten.

Phoenix Reisen ist stolz darauf, Kreuzfahrten auf kleineren Schiffen in einem sehr familiären Rahmen anzubieten. Die Besatzung der Artania lebt das Motto „Willkommen an Bord – willkommen zu Hause“ tatsächlich und gibt Ihnen das Gefühl, unter Freunden zu sein, anstatt einen Kreuzfahrturlaub in einer mehr oder weniger anonymen Masse zu verbringen. Auffallend ist auch, dass die Artania einen sehr hohen Anzahl von Wiederholungsgästen aufweist. Und dank der zahlreichen TV-Auftritte des Schiffes und seiner Crew kennt und grüßt praktisch jeder jeden an Bord. Zu dieser heimeligen Atmosphäre trägt zusätzlich bei, dass die Bordsprache Deutsch ist und die wenigen Passagiere, die nicht aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz stammen, Deutsch verstehen oder einige auf internationalen Schiffen eher unüblichen Gewohnheiten zumindest tolerieren (deutsche Schlager, deutsche Speisen oder den gelegentlichen Frühschoppen). Bemerkenswert ist zudem, dass Phoenix Reisen in seiner Trinkgeldpolitik ein wenig altmodisch ist. Es findet keine automatische Abbuchung vom Bordkonto statt, dafür erhält man als Passagier verschiedene Briefumschläge, in die man Geldscheine für die Restaurantbesatzung, den Kabinensteward, die Bordküche und as übrige Personal an Bord stecken kann.

Wegen der Sport- und Wellness-Angebote geht man nirmalerweise nicht auf ein Phoenix-Schiff, aber nichtsdestotrotz bietet die Artania eine Reihe von entsprechenden Einrichtungen. So gibt es einen Schönheitssalon und einen Friseur an Bord sowie ein Fitnesscenter, eine Sauna und ein Spa. Darüber hinaus verfügt das Schiff über zwei Swimmingpools, wobei nach dem letzten Umbau des Kopernikus-Barbereiches auf Deck 8 nur noch der auf dem vorderen Teil des Sonnendecks (Deck 9) befindliche tatsächlich fürs Schwimmen geeignet ist.

Was die Bordunterhaltung betrifft, so gibt es keine opulenten Shows an Bord, aber die Atlantik Lounge bietet trotzdem Platz für Konzerte und andere Abendunterhaltung. Die Kreuzfahrt, die ich unternommen habe, wurde als Schlager-Kreuzfahrt“ vermarktet, und alle drei an Bord auftretenden Künstler (Peter Kraus, Vicky Leandros und Micky Krause) füllten den Saal sowie die Phoenix Bar an Deck mit Leichtigkeit und machten jede Veranstaltung zu einem unvergesslichen Abend für alle Anwesenden. Zusätzlich wird auch in den anderen Lounges an Bord Livemusik gespielt, vor allem in Harry’s Bar, in der Casablanca Bar und in der Pazifik Lounge. Darüber hinaus können Sie auch dem allseits beliebten Bingospiel beiwohnen oder im Jamaica Club Karten spielen, wo sogar Listen ausliegen, in die man sich eintragen kann, um sich den Spielrunden der Mitspieler anzuschließen.

In den angelaufenen Häfen bot Phoenix Reisen eine ganze Reihe von organisierten Ausflügen an – fünf in Harwich (für London, Cambridge und Constable Country) und vier in Amsterdam (für Amsterdam selber, Volendam und Den Haag). Ich habe an keinem davon teilgenommen, aber nach allem, was ich gehört habe, erstreckt sich die Philosophie von Phoenix Reisen, sich um jeden Fahrgast wie um ein Familienmitglied zu kümmern, auch auf diese Ausflüge.

Allerdings ist die Phoenix-Familie eine, in der zwei Generationen mehr oder weniger fehlen. Gefühlt habe ich (45) auf der Artania das Durchschnittsalter jedenfalls deutlich gesenkt. Auf dieser Nordseekreuzfahrt war nach meinen Beobachtungen kaum jemand jünger als 40 Jahre, und mit unter 50 Jahren gehörte man noch zu den „Youngstern“ an Bord. Das bedeutet jedoch nicht, dass Familien mit Kindern an Bord der Artania nicht willkommen sind. Doch aus offensichtlichen Gründen neigen Familien dazu, sich eher für größere Schiffe mit einem breiteren Angebot an Einrichtungen speziell für Kinder und Jugendliche zu entscheiden. Erwarten Sie jedoch nicht, dass die älteren Semester Tag und Nacht Galakleidung tragen oder ihren Schmuck zur Schau stellen. Die Kleiderordnung von Phoenix Reisen ist sehr leger, nur an den Gala-Abenden oder zu besonderen Anlässen wird elegante Kleidung empfohlen.

Fazit: Die Artania ist ein Schiff, in das man sich auf Anhieb verliebt. Ihre gemütlich eingerichteten Lounges und breiten Arkaden im Innern finden ihr Pendant auf den Außendecks, wo die Passagiere weite Freiflächen genießen können, die auf den heutigen Mega-Kreuzfahrtschiffen ihresgleichen suchen. Das Flaggschiff von Phoenix Reisen entpuppte sich auf meiner Kreuzfahrt als ein Schiff voller wunderbarer Orte, einer fantastischen Crew und einer interessanten Mischung von Passagieren aus meinem Heimatland. Die Ausnahmestellung, die die Artania auf dem deutschen Kreuzfahrtmarkt innehat, ist mit Sicherheit kein Zufall.

 

Schauen Sie sich doch alle Artania Bewertungen im Cruising Journal an.

 

Kai Ortel

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