Eingebettet zwischen den Bergen und dem dunklen Wasser ihrer Bucht hat sich die alte befestigte Stadt in den vergangenen Jahren zu einem der faszinierendsten und abwechslungsreichsten Kreuzfahrthäfen der südlichen Adria entwickelt.
Kreuzfahrtschiffe, die Kotor anlaufen, erleben eine Einfahrt, die allein schon die Reise wert ist: Die Bucht von Kotor, die häufig als südlichster Fjord Europas bezeichnet wird, obwohl es sich geologisch um eine vom Meer überflutete Karstschlucht handelt, zieht sich über mehr als zwanzig Kilometer zwischen steilen Bergwänden dahin, die nahezu senkrecht ins Wasser abfallen. Dazwischen liegen kleine Ortschaften, abgeschiedene Kirchlein auf künstlich angelegten Inselchen und alte Fischerdörfer. Die Fahrt durch diese eindrucksvolle Landschaft, die dem eigentlichen Anlegen vorausgeht, ist bereits ein wesentlicher Teil des Erlebnisses. Viele Passagiere bleiben deshalb schon in den frühen Morgenstunden an Deck, um dieses Schauspiel nicht zu verpassen – zumal die Einfahrt in die Bucht häufig bei Sonnenaufgang erfolgt, wenn das sanfte Morgenlicht die Felswände in zarte Rosatöne taucht.
Kotor selbst, das der Bucht ihren Namen gibt, blickt auf eine mehr als zweitausendjährige Geschichte zurück: Die Stadt war zunächst eine illyrische Siedlung, später römisch und byzantinisch und wurde anschließend zwischen dem mittelalterlichen Serbien, dem Königreich Ungarn und der Republik Venedig umkämpft. Unter venezianischer Herrschaft blieb Kotor rund vier Jahrhunderte lang und bewahrte ein architektonisches Erbe, das noch heute an den Fassaden, den über den Stadttoren eingemeißelten Markuslöwen und am Glockenturm der Kathedrale deutlich sichtbar ist. Es folgten eine kurze Phase französischer Herrschaft während der Napoleonischen Kriege, die Eingliederung in die Österreichisch-Ungarische Monarchie und schließlich der Anschluss an das Königreich Jugoslawien nach dem Ersten Weltkrieg. Jede dieser Epochen hat Spuren hinterlassen, die noch heute für aufmerksame Besucher in den Straßen der Stadt zu entdecken sind. Die von mehr als vier Kilometern Stadtmauern umschlossene Altstadt, die sich den Berghang hinauf bis zur Festung San Giovanni auf fast 260 Metern über der Stadt erstreckt, wurde 1979 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Diese Auszeichnung steht heute einem Touristenandrang gegenüber, der in den vergangenen fünfzehn Jahren rasant zugenommen hat. Inzwischen haben die örtlichen Behörden die Zahl der Schiffe begrenzt, die gleichzeitig im Hafen liegen dürfen, um die Stadt vor einer Überlastung durch den Massentourismus zu schützen. Zudem werden regelmäßig weitere Maßnahmen zur Steuerung der Besucherströme diskutiert.
Die Kreuzfahrtschiffe legen in der Regel nur wenige Schritte von den Stadtmauern entfernt an, häufig direkt vor dem Meerestor, dem 1555 errichteten Haupteingang zur Altstadt, über dem der Markuslöwe und ein Relief der Madonna mit dem Kind thronen. Es ist einer der seltenen Fälle, in denen die Passagiere beim Verlassen der Gangway buchstäblich direkt am Eingang zur historischen Altstadt stehen, ohne dass ein Transfer erforderlich wäre. An Tagen mit besonders hohem Besucheraufkommen, wenn mehrere Schiffe gleichzeitig im Hafen liegen, kann es vorkommen, dass einige größere Schiffe auf Reede bleiben und die Passagiere mit Tenderbooten an Land gebracht werden. Wer sich an Bord über die für den jeweiligen Tag vorgesehene Ausschiffungsmethode informiert, vermeidet Überraschungen und kann seine verfügbare Zeit besser planen. Nach dem Durchqueren des Tores gelangt man unmittelbar auf den Waffenplatz, der einst das Zentrum des zivilen und militärischen Lebens der Stadt bildete. Beherrscht vom Uhrturm aus dem 17. Jahrhundert und umgeben von hellen Steingebäuden, in denen einst die Wache des Rektorenpalastes untergebracht war, ist er der ideale Ausgangspunkt für die Erkundung der Altstadt. Von hier aus entfaltet sich die historische Stadt als Labyrinth aus engen Gassen, kleinen Plätzen und Innenhöfen, das sich unmöglich nach einer festen Reihenfolge erkunden lässt und seinen besonderen Reiz gerade jenen offenbart, die sich gerne zwischen den vom Lauf der Zeit glatt geschliffenen Steinen verlieren.
Die Kathedrale von St. Tryphon aus dem Jahr 1166, die nach Erdbeben und Bränden mehrfach wiederaufgebaut wurde – zuletzt nach dem besonders verheerenden Erdbeben von 1979 –, bewahrt die Reliquien des Stadtpatrons sowie einen Schatz mit byzantinischen Silberarbeiten und kunstvoll gefertigten mittelalterlichen Reliquiaren. Außerdem gehört ein kleines angeschlossenes Museum dazu, das die Geschichte der Stadt über die Jahrhunderte hinweg erzählt. Nicht weit entfernt beeindruckt die kleine und schlichte Lukaskirche dadurch, dass sie über Jahrhunderte von katholischen und orthodoxen Gemeinden gemeinsam genutzt wurde – ein seltenes Symbol des Zusammenlebens in einer Balkanregion, die häufig von ausgeprägteren religiösen Spannungen geprägt war. Ebenfalls sehenswert ist der Grgurina-Palast, der das Maritime Museum der Stadt beherbergt. Es widmet sich der Vergangenheit Kotor als kleiner, aber angesehener Seemacht an der Adria und zeigt unter anderem Schiffsmodelle, Uniformen und Erinnerungsstücke lokaler Kapitäne, die über Jahrhunderte im Dienst zunächst Venedigs und später Österreichs das Mittelmeer befuhren. Dieser Teil der Stadtgeschichte ist vielen Besuchern kaum bekannt, zeugt jedoch davon, welch bedeutendes maritimes Zentrum Kotor gemessen an seiner Größe einst war. Nicht weit entfernt vervollständigen der Pima-Palast, der heute als Veranstaltungsort für kulturelle Events dient, und der Bizanti-Palast mit seiner elegant verzierten Barockfassade das Bild einer Altstadt, die trotz ihrer überschaubaren Größe eine bemerkenswerte Dichte an hochwertiger bürgerlicher Architektur bewahrt.

Das berühmteste und zugleich körperlich anspruchsvollste Erlebnis, das Kotor seinen Besuchern bietet, ist zweifellos der Aufstieg zu den Stadtmauern, die sich am steilen Hang des Berges San Giovanni bis zur gleichnamigen Festung hinaufziehen. Rund 1.350 unregelmäßige Stufen gilt es zu bewältigen, oft steil und ohne Schatten, sodass man für den Aufstieg bis zum Gipfel normalerweise zwischen einer und anderthalb Stunden zügigen Fußmarsches einplanen sollte. Entlang des Weges gibt es mehrere natürliche Rastplätze, darunter die Überreste der kleinen Kirche Unserer Lieben Frau vom Heilmittel, etwa auf halber Strecke. Sie ist ein gutes Zwischenziel für alle, die entscheiden möchten, ob sie bis zum Gipfel weitergehen oder sich mit dem bereits beeindruckenden Ausblick zufriedengeben. Wer den Aufstieg in Angriff nimmt, idealerweise in den frühen Morgenstunden, um die größte Hitze und den Andrang organisierter Reisegruppen zu vermeiden, wird mit einem Panorama belohnt, das sich über die gesamte Bucht, die roten Dächer der Altstadt und die sie von allen Seiten umgebenden Berge erstreckt. Es handelt sich vermutlich um einen der meistfotografierten Aussichtspunkte ganz Montenegros und für viele Besucher bleibt er die eindrucksvollste Erinnerung an den gesamten Kreuzfahrtstopp. Wer seine Kräfte schonen möchte oder schlicht nicht genügend Zeit für den vollständigen Aufstieg hat, kann auch einen kürzeren Spaziergang entlang der ersten Abschnitte der Stadtmauer unternehmen. Auch dort bieten sich bereits beeindruckende Ausblicke auf die Altstadt, ohne dass der gesamte Weg bis zur Festung bewältigt werden muss. Der Zugang zu den Stadtmauern ist kostenpflichtig; Eintrittskarten sind direkt an den wichtigsten Zugängen erhältlich. Diese sind in der Regel von den frühen Morgenstunden bis zum späten Nachmittag geöffnet, wobei die Öffnungszeiten je nach Jahreszeit variieren können.
Wer über die reine Besichtigung der Altstadt hinaus noch einige Stunden zur Verfügung hat, findet in der Bucht von Kotor einige der eindrucksvollsten Ausflugsziele der Adria – ideal auch für alle, die nur einen halben Tag zur Verfügung haben. Eine kurze Bootsfahrt führt zur Insel Unserer Lieben Frau vom Felsen, einer künstlich angelegten Insel, die der Legende nach von den einheimischen Seeleuten geschaffen wurde. Über Jahrhunderte hinweg versenkten sie dort Steine und die Überreste gesunkener Schiffe rund um einen Felsen, an dem angeblich eine Ikone der Madonna gefunden worden war. Heute steht hier eine kleine barocke Kirche mit zahlreichen maritimen Votivgaben und silbernen Weihegaben. Außerdem gibt es ein kleines Museum mit Stickereien und Votivgemälden, die Seefahrerfamilien im Laufe der Jahrhunderte als Dank für den Schutz während ihrer Überfahrten hinterließen. Die Insel zählt bis heute zu den ikonischsten Motiven der gesamten Region. Nicht weit entfernt liegt das Dorf Perast, einst selbst ein maritimer Konkurrent Venedigs mit einer beachtlichen Flotte und einer angesehenen Seefahrtschule. Entlang der Uferpromenade stehen prächtige Patrizierpaläste aus dem 18. Jahrhundert, die direkt auf das Wasser der Bucht blicken. Perast ist mit dem Taxi oder im Rahmen organisierter Ausflüge in etwa zwanzig Minuten erreichbar. Wenn der Zugang möglich ist, bietet der Aufstieg zum Glockenturm der Nikolauskirche einen der schönsten Ausblicke über die gesamte Bucht. Wer einen stärkeren Kontrast sucht, kann bis nach Budva weiterfahren, eine modernere und lebhaftere Küstenstadt mit Sandstränden und einer kleinen, im venezianischen Stil befestigten Altstadt, die bei Badeurlaubern aus der Region sehr beliebt ist. Eine weitere Möglichkeit ist die Fahrt hinauf über die kurvenreiche Panoramastraße zum Nationalpark Lovćen. Von dort ist der Blick auf die Bucht, sofern das Wetter mitspielt, noch spektakulärer als jener von den Stadtmauern Kotor. Hier befindet sich auch das Mausoleum von Njegoš, einem Dichter und Fürstbischof, der bis heute zu den am meisten verehrten Persönlichkeiten der montenegrinischen Kultur zählt. Wer einen ganzen Tag zur Verfügung hat und an einem vom Kreuzfahrtschiff organisierten Ausflug teilnimmt, kann sogar bis nach Cetinje fahren, die ehemalige königliche Hauptstadt Montenegros. Die Stadt ist reich an Museen und ehemaligen ausländischen Botschaften und besitzt eine ruhige, fast verschlafen wirkende und zugleich vornehme Atmosphäre, die einen angenehmen Kontrast zum lebhaften Tourismus in Kotor bildet.
Auch kulinarisch haben Kotor und die montenegrinische Küste einiges zu bieten: Die Küche verbindet auf ganz natürliche Weise mediterrane, balkanische und venezianische Einflüsse – das Ergebnis jahrhundertelanger Handels- und Kulturaustausche entlang der Adria. Fisch und Meeresfrüchte stehen dabei im Mittelpunkt und werden häufig bewusst schlicht zubereitet, um ihre Frische zur Geltung zu bringen. Muscheln nach Buzara-Art, in einer leichten Sauce aus Tomaten, Knoblauch, Weißwein und Petersilie gegart, gehören zu den unverzichtbaren Klassikern und zählen zu den Gerichten, die von Besuchern am häufigsten bestellt werden. Ebenso typisch ist Brodet, eine Fischsuppe, deren Zubereitung von Restaurant zu Restaurant leicht variiert, die aber zu den charakteristischen Gerichten der Küste zählt und traditionell häufig mit cremiger Polenta serviert wird. Wer etwas typisch Montenegrinisches probieren möchte, sollte nach Pršut Ausschau halten, einem geräucherten Rohschinken aus der Region Njeguši, unweit von Kotor an der Straße hinauf zum Lovćen. Er wird häufig zusammen mit dem in den umliegenden Bergregionen hergestellten regionalen Käse serviert. Die Kombination aus beidem, vielleicht begleitet von einem Glas Vranac, der am weitesten verbreiteten autochthonen Rotweinsorte Montenegros, gehört zu den besten Möglichkeiten, die Aromen der Region auf einem einzigen Teller kennenzulernen. Viele Restaurants in der Altstadt bieten eigens für Besucher zusammengestellte gemischte Platten mit Käse und Wurstwaren an. Bei den Desserts lohnt es sich, nach der Torta di Kotor Ausschau zu halten, einem Schichtkuchen mit Walnüssen, Mandeln und Likör, der vor allem in den traditionsreichen Konditoreien des Zentrums angeboten wird. In den zahlreichen Cafés der Altstadt, die häufig in kleinen, versteckten Innenhöfen zwischen den engen Gassen liegen, bietet sich außerdem eine Pause bei einem türkischen Kaffee nach lokaler Art an. Er ist ein Überbleibsel des osmanischen Einflusses, der zwar weniger stark ausgeprägt ist als in anderen Teilen des Balkans, sich aber bis heute in einigen alltäglichen Gewohnheiten bemerkbar macht. Traditionell wird der Kaffee mit einem kleinen Löffel Rosen- oder Pflaumenmarmelade neben der Tasse serviert. Wer kulinarische Spezialitäten als Mitbringsel für zu Hause kaufen möchte, findet in den Gassen der Altstadt mehrere kleine Geschäfte mit regionalem Honig, handwerklich hergestellten, mit Bergkräutern aromatisierten Schnäpsen und Olivenöl von der montenegrinischen Küste. Diese Produkte sind deutlich authentischere Souvenirs als die klassischen Touristenartikel, die in den meistbesuchten Straßen angeboten werden.

Aus praktischer Sicht gilt für Kotor Ähnliches wie für Dubrovnik und viele andere befestigte Städte an der Adria: Die Straßen der Altstadt sind vollständig autofrei und mit vom Lauf der Zeit glatt geschliffenen Steinen gepflastert, die bei Regen oft rutschig werden. Bequemes Schuhwerk mit gutem Profil ist daher unerlässlich, insbesondere für alle, die den Aufstieg zu den Stadtmauern in Angriff nehmen möchten. Im Sommer kann das Klima sehr heiß werden, sodass die Temperaturen in den Mittagsstunden den Aufstieg zur Festung besonders anstrengend machen. Ausreichend Wasser mitzunehmen, ist nahezu Pflicht, da es entlang des Weges nur wenige Möglichkeiten gibt, Nachschub zu bekommen. Auch das Auftragen von Sonnencreme vor dem Aufbruch ist empfehlenswert, da ein großer Teil des Aufstiegs völlig ohne Schatten verläuft. Wer Kotor im Frühjahr oder Frühherbst besucht, profitiert sowohl für den Aufstieg zu den Stadtmauern als auch für Spaziergänge durch die Altstadt von angenehmeren Temperaturen. Zudem sind deutlich weniger Besucher unterwegs als im Juli und August, wenn die Stadt bereits ab dem späten Vormittag sehr voll werden kann. Montenegro verwendet faktisch den Euro als Währung, obwohl das Land nicht zur Europäischen Union gehört. Das erleichtert die Bezahlung für Besucher aus dem Euroraum erheblich. Kreditkarten werden in den meisten Geschäften und Lokalen im Zentrum akzeptiert, dennoch ist es immer ratsam, etwas Bargeld dabeizuhaben – etwa für kleinere Einkäufe oder den Eintritt zur Festung, der häufig separat bezahlt werden muss.

Englisch wird in den touristischen Gebieten weitgehend verstanden, während Italienisch – ein Erbe der langen venezianischen Präsenz – von einigen älteren Geschäftsleuten noch verstanden und gelegentlich auch gesprochen wird. Ein kleines Detail, das italienische Besucher oft angenehm überrascht. Zum Schluss sei darauf hingewiesen, dass Kotor zwar ein relativ kompakter Kreuzfahrtstopp ist, die Höhenunterschiede in den oberen Teilen der Stadt jedoch beträchtlich sind. Für Menschen mit erheblichen Mobilitätseinschränkungen ist die Stadt daher nicht unbedingt das einfachste Reiseziel. Der untere Teil der Altstadt rund um den Waffenplatz und die Kathedrale ist hingegen problemlos zugänglich und bietet auch denjenigen ein umfassendes Erlebnis, die den Aufstieg zu den Stadtmauern nicht bewältigen können. Wer ein kleines Andenken an den Kreuzfahrtstopp mit nach Hause nehmen möchte, findet in der Altstadt außerdem mehrere Geschäfte mit lokalem Kunsthandwerk. Angeboten werden unter anderem filigrane Silberarbeiten, die nach traditionellen Techniken gefertigt werden, die über Generationen von den Goldschmieden Kotor weitergegeben wurden. Ein ausgesprochen originelles Souvenir und eine schöne Alternative zu den klassischen Kühlschrankmagneten.
Gabriele Bassi

