Ägypten treibt einen ambitionierten Transformationsprozess seines Verkehrssystems voran, mit dem Ziel, die Rolle des Landes als regionales Drehkreuz für den Seeverkehr, die Logistik und den Transitverkehr zu festigen. Die vom Verkehrsministerium verfolgte Strategie geht über die Entwicklung einzelner Häfen hinaus und zielt auf den Aufbau eines integrierten Netzwerks ab, das maritime Infrastrukturen, Logistikkorridore, Produktionsstandorte sowie die wichtigsten Wirtschafts- und Tourismuszentren des Landes miteinander verbindet.

Ein zentraler Bestandteil dieses Prozesses ist der Ausbau und die Modernisierung der Hafeninfrastruktur. Fünf neue Handelshäfen wurden errichtet, wodurch sich die Gesamtzahl der ägyptischen Handelshäfen auf 19 erhöht hat. Gleichzeitig ist die Gesamtfläche der Hafenanlagen von 40 Millionen Quadratmetern im Jahr 2014 auf heute rund 75 Millionen Quadratmeter gestiegen. Bis 2030 soll sie auf 100 Millionen Quadratmeter ausgeweitet werden.

Auch die maritime Infrastruktur wurde durch umfangreiche Maßnahmen ausgebaut. Insgesamt wurden 35 Kilometer Schutzbauwerke errichtet, wodurch sich deren Gesamtlänge auf rund 50 Kilometer erhöht hat. Gleichzeitig wurde die Flotte der Hafenschlepper erweitert und modernisiert; sie soll auf 80 Einheiten anwachsen, die über einen Pfahlzug (Bollard Pull) von 70 bis 90 Tonnen verfügen. Darüber hinaus wurden die Schifffahrtskanäle und Hafeninfrastrukturen ausgebaut, um auch den weltweit größten Schiffen die Einfahrt zu ermöglichen. Die Wassertiefen liegen dabei zwischen 18 und 25 Metern.

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Diese Transformation wird zudem durch eine zunehmende Zusammenarbeit mit den führenden internationalen Hafenbetreibern und großen Reedereien unterstützt. Das Ministerium hat eine Reihe strategischer Partnerschaften initiiert, um die Integration Ägyptens in die internationalen Seeverkehrsnetze zu stärken und den Transitverkehr auszubauen.

Zu den wichtigsten Vereinbarungen zählen die Partnerschaft mit Hutchison Ports für die Kaianlage 100 im Hafen von Dekheila, die Zusammenarbeit mit A.P. Moller – Maersk in East Port Said sowie die Partnerschaft zwischen CMA CGM und der Egyptian Marine Ports Company für das Tahya-Misr-Terminal im Hafen von Alexandria. In Sokhna wird das Multi-Purpose Terminal von DP World betrieben, während am Red Sea Container Terminal ein Konsortium aus Hutchison, CMA Terminals, CMA CGM und COSCO beteiligt ist. Im selben Hafen ist Noatum am Betrieb der Ro-Ro- und Kreuzfahrtterminals beteiligt.

Zum Netzwerk gehören außerdem das Tahya Misr 1 Container Terminal im Hafen von Damietta, das in Zusammenarbeit mit Eurogate und Hapag-Lloyd entwickelt wurde, das Container Terminal von Abu Qir, an dem Hutchison und Evergreen beteiligt sind, sowie das Safaga 2 Multi-Purpose Terminal, das gemeinsam mit Abu Dhabi Ports Group entwickelt wurde.

Von der Infrastruktur zu integrierten Logistikkorridoren

Der Ansatz des Ministeriums basiert auf einem klaren Grundsatz: Verkehr darf nicht als Selbstzweck betrachtet werden, sondern als Katalysator für eine umfassende wirtschaftliche Entwicklung. Aus diesem Grund geht Ägypten schrittweise von der Umsetzung einzelner Infrastrukturprojekte zur Entwicklung integrierter Logistikkorridore über, die darauf ausgelegt sind, Produktions-, Verbrauchs- und Exportzentren miteinander zu verbinden.

Zu den wichtigsten Korridoren gehören Sokhna–Alexandria, Safaga–Qena–Abu Tartour, Tanta–Mansoura–Damietta, Al-Arish–Taba, Kairo–Alexandria, Gargoub–Salloum, Kairo–Aswan–Abu Simbel sowie Berenice–Aswan–East Oweinat–Al-Kufra.

Dieser Ansatz ermöglicht es, das ägyptische Hafensystem nicht länger als eine Ansammlung voneinander unabhängiger Anlagen zu betrachten, sondern als ein integriertes Netzwerk, das den Transport von Gütern über die gesamte Lieferkette hinweg begleitet – von der Produktion bis zu den internationalen Märkten.

Die wichtigsten Hafenprojekte

Im Hafen von Alexandria stellt das Tahya Misr Multi-Purpose Terminal eines der bedeutendsten Projekte dar. Es verfügt über einen 2,5 Kilometer langen Kai, eine Fläche von 560.000 Quadratmetern und eine geschätzte Jahreskapazität von 12 bis 15 Millionen Tonnen. Das Projekt umfasst zudem das Grain and Silos Terminal 85/3, das für die Abfertigung von Schiffen mit einer Kapazität von bis zu 70.000 Tonnen ausgelegt ist, sowie drei Straßenanbindungen, die den Hafen mit der Verkehrsachse von El Taamir verbinden sollen.

Im Hafen von Dekheila verfügt das Tahya Misr 2 Multi-Purpose Terminal über einen 1.680 Meter langen Kai und eine Wassertiefe von 18 Metern. Die hafenbezogenen Hinterlandflächen umfassen 840.000 Quadratmeter für Investoren sowie weitere 423.000 Quadratmeter Hafenfläche.

Der Hafen von Damietta stellt einen weiteren strategischen Knotenpunkt dar. Zu den Maßnahmen gehören ein Multipurpose-Terminal mit einem 680 Meter langen Kai sowie das Tahya Misr 1 Container Terminal, das über einen 2 Kilometer langen Kai und eine Kapazität von 3,5 Millionen TEU verfügt. Das Programm umfasst außerdem Maßnahmen an den Schutzbauwerken sowie ein Grain and Silos Terminal mit einem 850 Meter langen Kai und einer Lagerfläche von 270.000 Quadratmetern.

Am Roten Meer konzentrieren sich die wichtigsten Maßnahmen insbesondere auf die Häfen von Nuweiba, Safaga und Hurghada. Das Safaga 2 Multi-Purpose Terminal erstreckt sich über eine Fläche von 776.000 Quadratmetern und verfügt über einen 1.100 Meter langen Kai sowie eine Wassertiefe von 17 Metern. Auch der Zufahrtskanal zum Hafen von Safaga wird derzeit ausgebaggert, mit dem Ziel, eine Wassertiefe von 19 Metern zu erreichen.

In Sokhna hat der Hafen inzwischen eine Wassertiefe von 19 Metern erreicht und wurde vom Guinness World Records als der tiefste künstliche Hafen an Land anerkannt.

Die Beteiligung des privaten Sektors stellt eine weitere zentrale Säule der Strategie dar. In den wichtigsten ägyptischen Häfen wurden zahlreiche Investitionsmöglichkeiten identifiziert. In Alexandria gehören dazu die Entwicklung und der Betrieb des Hafens von El Max sowie der Betrieb von zwei Logistikzonen. In Damietta umfassen die Investitionsmöglichkeiten den Betrieb und die Verwaltung des Tahya Misr 2 Multi-Purpose Terminal und des Grain and Silos Terminal.

Weitere Möglichkeiten betreffen Multipurpose-Terminals in den Häfen von Safaga, El Arish, Abu Qir und East Port Said sowie den Bau und Betrieb von Terminals im Hafen von Taba.

Ein Verkehrsnetz, das über die Häfen hinausgeht

Die Transformation des ägyptischen Verkehrssystems umfasst auch das nationale Straßennetz. Rund 7.500 Kilometer neue Straßen wurden gebaut, während weitere 10.000 Kilometer bestehender Infrastruktur ausgebaut und modernisiert wurden. Darüber hinaus wurden 35 neue Brücken und Verbindungsachsen über den Nil errichtet, wodurch sich deren Gesamtzahl auf 73 erhöht hat. Die Gesamtzahl der Brücken und Tunnel im gesamten Land beläuft sich inzwischen auf 2.500.

Hinzu kommt der Ausbau von 41.000 Kilometern lokaler Straßen im Rahmen der ersten Phase der präsidialen Initiative Decent Life (Hayat Karima).

Eine wichtige Rolle wird zudem das elektrische Hochgeschwindigkeitsbahnnetz spielen. Es wurde nicht nur für den Personenverkehr konzipiert, sondern auch als strategische Infrastruktur, die Seehäfen mit Industriegebieten, landwirtschaftliche Produktionszentren mit den Zugangspunkten zu den internationalen Märkten sowie neue städtische Siedlungen miteinander verbinden soll. Die Integration des Netzes mit Häfen, Binnenhäfen und Logistikzonen wird zusätzlich zur Stärkung des multimodalen Verkehrs beitragen.

Diese Infrastruktur ist auch für den Tourismussektor von besonderer Bedeutung, da sie die Verbindungen zwischen einigen der wichtigsten Reisedestinationen Ägyptens verbessert. Von den zum Tauchen beliebten Urlaubsorten am Roten Meer in der Region Hurghada über die Pyramiden von Gizeh bis hin zu Abydos und Luxor sowie weiter nach Aswan und Abu Simbel besteht das Ziel darin, die Vernetzung zwischen den verschiedenen touristischen Zentren des Landes zu verbessern.

Das Netz umfasst zudem Ziele von großer kultureller und religiöser Bedeutung, wie das Kloster Al-Muharraq in Assiut. Damit trägt es zum Aufbau eines zunehmend integrierten Mobilitätssystems bei, das Häfen, Flughäfen, Eisenbahn und Straßennetz miteinander verbindet.

Digitale Transformation und Nachhaltigkeit

Die Modernisierung erstreckt sich auch auf die Dienstleistungen. Ein bedeutendes Beispiel ist die Yacht Tourism Platform, die mit dem Ziel eingeführt wurde, die Ein- und Ausreiseformalitäten für Yachten zu vereinfachen. Die Bearbeitungszeit der Verfahren wurde von rund 30 Tagen auf nur noch 30 Minuten reduziert und damit die Wettbewerbsfähigkeit Ägyptens als Reiseziel für den Yachttourismus gesteigert.

Parallel dazu misst die Strategie des Ministeriums der ökologischen Nachhaltigkeit große Bedeutung bei. Ziel ist es, die Kohlenstoffemissionen und die Umweltverschmutzung im Einklang mit internationalen Standards zu reduzieren, die Elektrifizierung voranzutreiben und die Abhängigkeit von herkömmlichen fossilen Brennstoffen zu verringern. Auch die Entwicklung umweltfreundlicherer und nachhaltigerer Häfen ist Bestandteil dieser umfassenderen Strategie.

Eine integrierte Vision

In ihrer Gesamtheit zeichnen die bereits abgeschlossenen und die derzeit in Entwicklung befindlichen Projekte eine Strategie vor, die weit über die bloße Steigerung der Hafenkapazitäten hinausgeht. Ägypten baut ein integriertes Netz aus maritimer, Straßen-, Schienen- und Logistikinfrastruktur auf, das durch internationale Partnerschaften und eine zunehmende Beteiligung des privaten Sektors unterstützt wird.

Die geografische Lage des Landes am Schnittpunkt zwischen dem Mittelmeer, dem Roten Meer, Afrika, dem Nahen Osten und Asien verleiht dieser Strategie eine besondere Bedeutung. Mit neuen Terminals, Logistikkorridoren, multimodalen Verbindungen, digitaler Transformation und Investitionen in Nachhaltigkeit verfolgt Ägypten das Ziel, nicht nur zu einem Transitstandort für Waren zu werden, sondern sich als integriertes maritimes und logistisches Drehkreuz zu etablieren, das Handel, Industrie, Tourismus und die langfristige wirtschaftliche Entwicklung unterstützt.

Giorgia Lombardo